9.4.2020 Gründonnerstag und das evangelisch-lutherische Dekanat im Annahof

Gespräche über Lockerungen werden laut. Alle jubilieren, weil rot-weiße-Absperrbänder um Parkwiesen wegfallen. Die Menschen im Lidl ignorieren jeglichen Abstand und interessieren sich nicht für desinfizierte Einkaufswägen. Sagt der Mitarbeiter, der das seit zwei Wochen macht.

Existenziell abgesagt

Abgesagt: Das blaue Sofa bleibt leer, die gesellschaftlich existentiellen Fragen werden Prominenten auf eben diesem nicht gestellt. Eine Veranstaltungsreihe in der Barfüßer-Kirche. Dr. Martin Beck ist evangelischer Pfarrer, er leitet die Erwachsenenbildung im evangelisch-lutherischen Dekanat Augsburg. Seine Veranstaltungen sind abgesagt. Obwohl man diese unter philosophischen Gesichtspunkten als systemrelevant einordnen könnte. Ohne Hoffnung vergeht heute kein Tag, sie ist die Zukunfstperspektive. Entschleunigung wird wortwörtlich medial durch den Wolf gedreht. In der Erwachsenenbildung des Dekanats war sie in Form des Pilgerns immer schon relevant. Alternativ wirtschaften, ein Angebot aus den Töpfen Dr. Becks, wäre im Moment vielen eine Hilfe.

Auf der Piazza ist es gespenstisch ruhig.

Dr. Martin Beck

Mehr denn je reibt man sich an den Werten und Haltungen, die jeder Einzelne in der Krise verschärft zum Ausdruck bringt. Die Panischen, Verschwörenden, Beruhiger oder Faktenwisser. Jede Persönlichkeit dreht sich gerade zum 180-Prozentigen seiner selbst. Das schafft mehr kontroverses Potenzial.

Es ist so heiß, dass Rasensprenger aufgestellt werden, Luftmatratzen geschleppt. Der Ostereinkauf wird heute getätigt. Der männliche Patchworkpart stößt an seine Belastungsgrenze. Drei Wochen ohne Job, Doppelbelastung. Nicht jedermann ist aus harter Wolle gestrickt. Und das bevor die 8 Osterlämmer des Karsamstags gebacken sind. Schadenfreude steht emanzipierten Frauen nicht. Deswegen: stecken lassen. Wir besuchen stattdessen innerlich Dr. Beck und schulen ein wenig die Mitgefühlsbildung. Ernsthaft. Davon benötigen wir alle im Moment am meisten.