8.4.2020 Hablamos espanol el miercoles – oder so!

Ich arbeite. Nicht im Homeoffice, nicht systemrelevant. Das Haus verlassen ist trotzdem schön. Nicht umsonst regen sich im Netz und auf diversen Zeitungsplattformen nun Philosophen, Psychologen und Journalisten oder Autoren, die mangelnde Opposition und einen Mangel an Alternativen in den politischen Entscheidungen sehen. Die Ad-Hoc-Gremien vermissen und rechtsstaatliche Gefährdungen empfinden. Beinahe drei Wochen später ist es einfach, die Entscheidungen so zu sehen und in einigen Punkten durchaus berechtigt. Die Faktenlage ist klarer, die Einschätzung über den Virus auch. Vor 21 Tagen haben sich viele jedoch noch härtere und klarere Vorgaben und Entschlossenheit gewünscht. Keine Erkenntnisse, absolute Unsicherheit, extrem hohe Sterblichkeit. Erst seitdem das Virus in Europa, sprich Italien, unterwegs ist, lassen sich relevante und realistische wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen. Zwei Wochen. Ein Ad-Hoc-Gremium hätte damals auch nicht mehr zu sagen gewusst, als zwei bedeutende Wissenschaftler und das Robert-Koch-Institut. Da der Leidensdruck nun höher, ist es einfach besserwisserisch zu agieren und in die Vergangenheit zu schimpfen, leider auch wirkungs- und sinnlos. Verpuffte Energie und Mühe. Gegenwart und Zukunft gilt es zu gestalten und da ist genug zu tun.

Antonio Moreno ist Spanischlehrer einer Sprachschule im Bismarckviertel, Augsburg. „Tranquilo“ und „Papel del culo“ – mit Handlungsaufforderung – „Immer schön ruhig bleiben“ – und einst wahnwichtigem Begriff „Klopapier“ hielt er die erlaubten Spaziergänger bei Laune. Tatsächlich ist die Schaufensterinschrift alles, was ich persönlich von ihm kennengelernt habe. Fotograf Dominik aber ist ihm auf seiner täglichen Runde, Fotos für den Corona-Blog einzufangen, immer wieder begegnet. Offen und unkompliziert hatte ich wenige Tage später ein Audio in der Hand. Si! Nie im Leben hätte ich ohne Corona jeden Tag geschrieben und von Luftbekanntschaften interessante Details aus ihrem Leben. Ich danke! Was den Lehrer, der in spanischer Literatur- und Sprachwissenschaft ausgebildet ist und an der Universität in Cádiz eine Zusatzqualifikation für das spanische Unterrichten aufweist persönlich bei Laune hält, wie er seine Schüler in Stimmung hält und wie er als Einelunternehmer in der 4. Woche des ShutDown unterwegs ist, hört selbst:

Porque siempre brilla el sol. Muchas gracias und hasta pronto!

Schaufensterinschrift Sprachschule für Spanisch, Antonio Moreno

„Und weil die Sonne immer scheint“, diesen April tatsächlich und tagtäglich liefert Antonio Moreno mir unbekannterweise noch den perfekten Schlusssatz für diesen Tag. Außerdem eine irre Spaniensehnsucht. Wer es nicht weiß: Ich habe dort ein halbes Jahr auf Fuerteventura gelebt, vier Wochen Sprachkurs in Malaga getätigt und unzählige Sommermonate in Almeria und Andalusien verbracht, an den Felsbrocken von Albarracin bei Valenia, in Zaragoza, Bilbao … Hach, stop! Galicien wäre ein vager Plan für dieses Jahr geworden. Die Sehnsucht muss weiter reichen. Muchas gracias Antonio Moreno. Auf bald nach der Krise. Dann persönlich. Geht auf mich!