27.3.20: Irrsinn und stoische Ferienstimmung

Bipolarer Irrsinn tritt ein. Mit Skistöcken auf der Slackline laufen, im Hof während des Inlinens Steine schichten und Baumstämme überspringen. Ich trinke per Whatsapp-Video-Call Bier auf die Facharbeit gemeinsam mit einer Freundin – und das obwohl ich diese Video-Anrufe per se verzichtbar finde – entweder Telefon oder persönliches Treffen. Verdammt – jede analoge Regung geht in den Tiefen der Krise unter. Außerdem brülle ich inzwischen verzweifelte Rufe über die Straße in die Nachbargärten, um nur ein oder zwei zwischenmenschliche Gespräche zu führen – mit Menschen die älter als dreizehn sind. Heute schwanke ich zwischen Ausgelassenheit, Ferienstimmung und tiefster Sehnsucht nach Erwachsenengesprächen mit Freundinnen.

Doppeltes Lehren für Lehrer

All die Lehrer in meinem Umfeld, und das sind viele, da das mein universitär erlernter Beruf ist, lehren nun doppelt. Im Homeoffice einerseits die Schüler diverser Klassen (Gymnasium, Realschule) oder eigener Klassen (Grundschule/Mittelschule) und gegebenenfalls zusätzlich die eigenen Kinder. Das Büro ist in der Regel für die klassische Unterrichtsvorbereitung vorhanden, geruhsame Vorbereitungszeit aber passé. Eine Grundschullehrerin aus dem Allgäu erzählt, wie sie die Vorbereitung derzeit meistert und Homeschooling, Schooling und Leben in einen Tag bringt.

Maria Schmitz, Lehrerin aus dem Unterallgäu

Ohne Sofa gemeinsam einsam

Die Lachtränen rinnen, als meine Allgäuer Freundin mir erzählt, dass sie tatsächlich im normalen Alltag nie ihr Wohnzimmer bzw. Sofa in Anspruch nähmen. Nur jetzt, da die ganze Familie mit unbändig viel Zeit für gemeinsame Filme und Muße verzweifelt zu Hause weilt, ist keines anwesend. Das alte wurde schnell und glücklich einem Käufer in die Hand gedrückt, das neue wird auf absehbare Zeit nicht geliefert. Oder stets in drei Wochen. Und das bereits zum dritten Mal. Sie sitzen nun also gemeinsam in einem leeren Wohnzimmer, auf Gartenmöbeln und geliehenen Ikeasesseln und harren der Dinge, die da kommen. Das da kommten soll: Nämlich das neue Sofa, dessen einzelne Bestandteile sich beliebig in diverse Richtungen, in Nähe- und Distanzbereiche, schieben lassen, das entspannte, leutselige Fernsehabende mit der Familie verspricht und jetzt in Italien auf seinen Überzug wartet. Das heilbringende Familien-Sofa, das dann eintreffen wird, wenn der Sohn wieder mit den Jungs auf der Straße unterwegs ist und die Tochter mit ihrer Clique die Stadt unsicher macht. Ach, liebe Freundin – zweisam einsam ist doch das Schlagwort unserer Zeit;-).