17. März 2020 Heckenschere gegen Bananen

Ich kaufe für meine Eltern ein. Sie finden es vollkommen unnötig, da sie beide fit und natürlich „nicht alt“ sind. Es ist das zweite Mal, dass ich in den letzten Wochen einkaufen gehe, haushaltstechnisch schlecht organisiert, nehme ich mal da und dort ein Brot oder Käse mit. Hand in Hand läuft ein altes Ehepaar an der Kasse an mir vorbei. Ich bin das erste Mal in Versuchung, sie anzusprechen: Haben Sie nicht jemand, der für Sie einkaufen kann? Verantwortungsgefühl und Stärke rücken immer mehr in den Vordergrund. Ich telefoniere verstärkt und zugunsten der sozialen Kontakte rücken private Dilemmata in den Hintergrund.

Stille

Es ist eigentümlich still auf Parkplatz und im Supermarkt. Das wabernde Misstrauen macht mich freundlich und motivierend. Als mein Vater mir die Heckenschere vor die Haustür legt, dort – wo ich die Einkäufe für sie deponiert habe – finde ich mich selbst ansatzweise hysterisch und übervorsichtig. Meiner natürlichen Art läuft das zuwider – ich fahre Motorrad, bouldere, surfe, suche beruflich und privat immer die Herausforderung, nicht die Sicherheit. Jetzt sage ich mir: Wenn Ihnen etwas passiert, will ich ins Krankenhaus können, um mich zu verabschieden. Wenn Sie renitent sind, habe ich es Ihnen trotzdem angeboten. Ich kann Ihnen Ihr Verhalten nicht vorschreiben, aber ich tue alles, um mir einmal keine Vorwürfe zu machen.